15.09.2016

UMFRAGE
13 Fragen zur Zukunft

 

Zum 50-Jahre-Kress-Jubiläum geben wichtige Führungskräfte Antworten auf drängende Branchenfragen.



 
 
Werden soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle und Plattform für Journalismus in zehn Jahren wichtiger sein als klassische Medienunternehmen?

Gabor Steingart
Vorsitzender der Geschäftsführung und Gesellschafter der Verlagsgruppe Handelsblatt, Herausgeber „Handelsblatt“
„Soziale Netzwerke sind für Medienhäuser bereits heute eine wichtige Plattform zur Verbreitung von Informationen und Nachrichten. Über die Kanäle Print, Online, Live und Social Media erreichen wir mehr Leserinnen und Leser als jemals zuvor. Es wird daher auch keinen Gewinner oder Verlierer geben, sondern ein gütliches Miteinander. Informieren, inspirieren, einordnen und miteinander in Dialog treten funktioniert auch digital und erst recht über die sozialen Netzwerke. Die steigenden Nutzerzahlen zeigen, dass die Zeitung auch in Zukunft ihre Leuchtturmfunktion über alle multimedialen Kanäle weiter stärken und ausbauen kann. Außerdem kommunizieren wir mit unseren Lesern. Es lebe der Rückkanal – und damit der erstmals wirklich aktive Leser-Dialog.“

Thomas Knüwer
Gründer und Geschäftsführender, Partner Kpunktnull
„Schon heute sind Social Networks der wichtigste Nachrichtenfilter für den größeren Teil der Bevölkerung. ‚Nachrichtenfilter‘ ist dabei ein wichtiger Begriff, denn Unternehmen wie Facebook oder Twitter produzieren keine redaktionellen Inhalte und werden sich hüten, dies zu tun. Nachrichtenfilter aber brauchten wir dringend. Schon immer landete ein Großteil einer Zeitung ungelesen im Mülleimer – weil ein Mensch sich eben nicht für alles inter­­essiert, was eine heterogene Redaktion für wichtig hält. Was wäre gewesen, hätten sich Leser ihre Zeitung individuell bestellen können? Genau das geht im Netz. Und es ist bemerkenswert, dass in den vergangenen 20 Jahren kein Medienhaus darangegangen ist, diese Filterung Realität werden zu lassen. Genau deshalb wird das Social Web zum Nachrichtenfilter. Und gleichzeitig dient es als Vertriebsplattform für neue, schlanke, dynamische Medienunternehmen, die mit kleineren Kundenzahlen wirtschaftlich arbeiten können. Medienkonzerne oder Journalisten, die glauben, ohne Social-Web-Kompetenz überleben zu können, sind deshalb zwar irgendwie furchtbar putzig – aber auf Dauer nicht mehr überlebensfähig.“

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