print
 
09.07.1999


"Lea" klingt eigentlich nach einem typischen

 

"Lea" klingt eigentlich nach einem typischen 7oer-Jah-re-KindeTladen-Name: anti-autoritär und mit Rotz an der Nase.Trotzdem bekam "Lea" (Klambt-Gruppe) bei einer Leserbefragung die meisten Sympathiewerte und ist ab dem 14.7.99...



 
 
zählt er in Speyer gerne und nicht ohne Stolz vom Verlagsgründer Wenzel Klambt, der für sein Blatt ins Gefängnis gegangen war. Der Klambt-Verlag (gegründet 1843, ^3° Millionen Umsatz in 98, Umsatzziel für 99:135 Millionen bei 400 Angestellten, davon 300 im Verlagsbereich) ist anerkannter Spezialist für Yellow Press. Hochwertiger Frauentitel im Portfolio ist "Prima Carina" (237.387 Exemplare, IVWI/99). Dazu gesellen sich 50 farbenprächtige Titel wie "Frau mit Herz" (182.112), "Sieben Tage" (153.447) oder auch "Rezepte mit Pfiff"(58.o69). Daß mit dieser Kernkompetenz rund um Heim und Herd und Herz nicht zwingend die Hochachtung der Publizistenkollegen herbeigeschrieben wird, irritiert Dr. Rose nicht; allein am Heimatorthält er sich noch eine Tageszeitung, die "Speyerer Tagespost" (5.412 Exemplare). Nicht die Cash-cow, wohl aber das kurioseste Tier im Stall des Dr. Rose ist "Heim und Welt" (124.532 Exemplare). Hinter der klassischen Fassade - Traumhochzeit bei Stars, Rührendes bei Königs, Prickelndes von den Prinzessinnen dieser Welt - tun sich Abgründe auf. Zwischen Kreuzworträtsel und Küchenrezept haben die Bordellbetreiber dieses Landes ihren Anzeigenfachmarkt entwickelt. Da findet sich allerlei Günstiges im Gunstgewerbe: Immobiles wie die "guteingelaufene Hostessenwohnung in Ludwigshafen" und Praktisches wie die Großverbraucherpackung Kondome "1000 Stück, feucht, lose". Daneben wird mobiles Personal nachgefragt wie der/die "Transsexuelle für Privatwohnung im Raum Bayern" oder das "Terminmädchen" (mit Papieren) nach Wuppertal. Warum die Haut, weiß oder farbig, ausgerechnet im biederen Ambiente von "Heim und Welt" zu Markte getragen wird, kann sich selbst der Verleger nicht endgültig erklären. In einem freilich hat er sich experimentell Klarheit verschafft: Seine Leserschaft toleriert die Freizügigkeit mit Vergnügen. Ein Testlauf unter Verzicht auf die eindeutigen Anzeigen konnte keine Auflagensteigerung erzeugen. Da bleibt auch der Verleger gerne tolerant und nimmt das spezielle Anzeigengeschäft im Yellow Press-Bereich mit, in dem Anzeigen sonst eine untergeordnete Rolle spielen. Die klare Beschränkung aufs Kerngeschäft nutzt Klambt konsequent: Wenn am 14. Juli "Lea" als neues Frauenmagazin auf den Markt kommt (siehe oben), genügt dank der Synergien im Haus für den Start eine Kleinst-Redaktion mit vier Schreibern und vier Graphikern. Der Test-Ballon mit einer Start-Auflage von einer Million wird damit - wie oft bei Klambt - zur glaubwürdigsten Form von Marktforschung. Burkhard Voges, Klambt-Verlagsgeschäftsführer und zuvor Verlagsleiter des "Spiegel", hat als erklärtes Ziel, "im Becken der niedrigpreisigen Frauenzeitschriften mitzuschwimmen". JosefSeitz

Sie möchten weiterlesen?

Als kress pro-Abonnent haben Sie online Zugriff auf mehr als 50 Strategiegespräche und rund 200 Best-Cases aus Vertrieb, Vermarktung, Personal, Redaktion und Strategie.
Zurück zu: kresspro Archiv

Welche kress pro-Ausgabe möchten Sie sich ansehen?

Inhalt konnte nicht geladen werden.